Visanne bei Endometriose – meine ersten Erfahrungen

Mein Gesicht übersäht von Pickeln als eine Nebenwirkung der Visanne.

Es ist nicht perfekt, einige Nebenwirkungen begleiten mich ja noch immer, aber die sind mir deutlich lieber als das, was meine Endometriose machen würde, ließe ich ihr einfach freie Bahn…

Mein Gesicht übersäht von Pickeln als eine Nebenwirkung der Visanne bei Endometriose.

Disclaimer: Ich nehme die Visanne jetzt erst seit knapp zwei Monaten. Ich möchte meine ersten Erfahrungen dennoch schonmal teilen, denn sie sind gar nicht so übel, und von guten Erfahrungen mit der Visanne bei Endometriose liest man einfach zu wenig. Wieso mir die Visanne verschrieben wurde, könnt ihr übrigens in diesem Beitrag lesen.

Die Visanne bei Endometriose – wo soll ich da bloß anfangen. Ich glaube, dass kaum ein Thema in der Endometriose Community so kontrovers diskutiert wird wie dieses Medikament. Aber beginnen wir mal am Anfang: Die Visanne ist das „klassische“ Endometriose Medikament, das den meisten frisch Diagnostizierten erstmal verschrieben wird. Sie ähnelt einer Verhütungspille, im Unterschied zu den normalen Pillen ist sie aber explizit als Medikament für Endometriose zugelassen. Die Visanne besteht aus dem Wirkstoff Dienogest, was die synthetische Form des Hormons Gestagen ist. Weil ich das jetzt wirklich nicht so gut in eigenen Worten erklären kann, wieso das jetzt bei Endometriose helfen soll, zitiere ich einfach mal kurz Jenapharm, das Pharmaunternehmen, von dem sie kommt: 

Die Behandlung der Endometriose mit Hormonen zielt darauf ab, das estrogenabhängige Wachstum der Endometrioseherde und der Gebärmutterschleimhaut, wie es im normalen Monatszyklus erfolgt, möglichst zu verhindern und einer weiteren Verbreitung entgegen zu wirken. […] Gestagene können die Wirkung der Estrogene direkt in den Endometrioseherden hemmen, ihnen dadurch den Wachstumsstimulus entziehen und sie verkleinern. Ebenso wird der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut gehemmt, so dass möglichst keine Monatsblutungen mehr auftreten. Außerdem verringern sie die Eizellreifung in den Eierstöcken und damit in gewissem Maß die Estrogenproduktion.

Jenapharm

So, damit hätten wir dann die medizinische Erklärung, wieso man häufig erstmal die Visanne bekommt. Es gibt aber einen großen Haken an der Geschichte: Die Pille hat relativ viele Nebenwirkungen. Wenn man aber mal in die Beipackzettel guckt, ist das eigentlich bei fast allen Medikamenten so. Liest man nun aber in Endometriose Communitys über die Visanne, dann geht es eigentlich fast immer nur darum, welche Nebenwirkungen alle aufgetreten sind und wieso sie wieder abgesetzt wurde.

Die Visanne und ich

Also, mir wurde die Visanne empfohlen, bereits von meinem operierenden Arzt im OP-Nachgespräch. Ich wollte aber noch die Nachsorge bei meiner Frauenärztin abwarten und ihre Empfehlung, habe aber schon damit gerechnet, dass sie das gleiche sagen wird – und so war es auch. Ich habe vor vier Jahren die Pille abgesetzt, weil ich meine Probleme damit hatte. Daher bin ich irgendwie auch nicht der größte Fan von dieser Empfehlung gewesen. Nach einer Endometriose Operation aber gar nichts zu machen, und einfach abzuwarten, dass der ganze Bums wieder neu wächst, war für mich auch keine richtige Option. Vor allem, weil mir deutlich gesagt wurde, dass mein Eierstock dabei auf dem Spiel steht. Die Visanne wird es also erstmal…

Ganz ehrlich? Meine Einstellung zur Visanne ist auch nur so semi gut gewesen. Ich weiß ja schließlich, dass ich schon vorher mit der Pille nicht so klarkam. Wie soll es also mit so einem Medikament werden, das ebenso viele Nebenwirkungen hat und ähnlich wirkt? Außerdem haben alle von meinen Endometriose Freundinnen die Visanne abgesetzt, wegen schlimmer Nebenwirkungen. Trotzdem hab ich mir gedacht, dass ich mich davon nicht beeinflussen lassen sollte, schließlich ist es ja bei jedem individuell. Ich sollte dem ganzen also wohl erstmal eine faire Chance geben. 

Das ist der Plan

Erstmal wird es jetzt so laufen: Ich bekomme die Visanne für sechs Monate verschrieben und soll sie die gesamte Zeit jeden Tag einnehmen – ohne Pause. Danach soll ich auf ein anderes Präparat wechseln, das etwas geringer dosiert ist. Soweit so gut erstmal. Ich fange also direkt nach der OP-Nachsorge an, jeden Tag die Visanne einzunehmen. Man soll sie möglichst immer zur gleichen Uhrzeit nehmen, wie eine normale Pille auch. Ich entscheide mich, das immer morgens zu machen – das passt irgendwie am besten in meinen Tagesablauf.

Die ersten paar Tage bemerke ich lediglich, dass meine Blutung, die ich direkt nach der Operation bekommen habe, langsam aufhört. Das ist schonmal gut, ich bin positiv gestimmt. Sonst passiert erstmal nichts in der ersten Woche, die Ruhe vor dem Sturm? Ich weiß ja ganz genau, dass Hormone einige Zeit brauchen, um richtig anzuschlagen. Aber ich sage mir natürlich auch, dass mein Körper drei bis sechs Monate braucht, um sich daran zu gewöhnen. Warten wir es ab…

Meine Nebenwirkungen

Ein paar Tage später rastet meine Haut dann buchstäblich aus. Ich hatte vorher schon länger ein paar Probleme mit schlechter Haut, mal ein paar Pickel im Kinnbereich, nichts bombastisches. Das jetzt ist aber echt was anderes. Mein ganzes Gesicht ist nur so übersäht mit kleinen und großen Pickeln, bis zum Haaransatz auf der einen Seite und den Hals runter auf der anderen Seite. Ich fühl mich zurückversetzt in meine übelste Zeit in der Pubertät. Jedes Mal, wenn ich in den Spiegel gucke, ist gefühlt irgendwo was neues gewachsen. Wundervoll, denk ich mir, an Akne als Nebenwirkung kann ich schonmal einen Haken machen. 

Zu meiner Haut gesellen sich schnell auch meine Haare. Beziehungsweise tun sie genau das Gegenteil. Sie fallen mir aus – immer wieder hab ich ganz Strähnen in der Hand, beim Duschen, beim Bürsten. Zum Glück hab ich ziemlich dicke Haare, da fällt das nicht so auf, wenn es ein paar weniger werden – so red ich mir das zumindest irgendwie schön. Trotzdem bin ich jedes Mal traurig, wenn ich sehe, was da so von meinem Kopf runterkommt. Nebenwirkung Haarausfall: die kann ich wohl auch abhaken.

Meine Psyche…

Zu diesen ersten körperlichen Nebenwirkungen kommt auch ganz schnell eine psychische dazu, die mir wirklich gar nicht gefällt: Ich bekomme Stimmungsschwankungen – und nicht nur ein bisschen. Ich bin eigentlich kein super emotionaler Mensch, doch ich hab auf einmal Momente, in denen ich wegen nichts und wieder nichts einfach unglaublich traurig bin. Einfach so, aus dem Nichts. Dann wieder in anderen Momenten bin ich extrem schnell auf 180, ebenfalls wegen nichts. Das schlimmste daran ist aber, dass es mir sofort bewusst ist, dass das nicht meine normale Reaktion ist. Ich gucke mir also selber beim emotionalen Überreagieren zu und kann absolut überhaupt gar nichts dagegen tun. Depressive Stimmung, Stimmungswandel und Reizbarkeit als Nebenwirkungen der Visanne: ebenfalls abgehakt.

Zusätzlich kämpfe ich noch mit Dingen wie Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit. Ob diese Dinge aber wirklich von der Visanne kommen, da bin ich ganz ehrlich nicht sicher. Es erscheint mir deshalb auch nicht ganz fair, sie der Visanne in die Schuhe zu schieben. 

Insgesamt nerven mich all diese Dinge unglaublich dolle, aber sie sind für mich bei weitem nicht schlimm genug, um die Pille abzusetzen und in Kauf zu nehmen, dass meine Geschlechtsorgane leiden oder gar kaputt gehen. Im Verhältnis zu vielen anderen, von denen ich gelesen habe, vertrage ich mit diesen „wenigen“ Nebenwirkungen die Visanne sogar ziemlich gut. Da ich weiß, dass der Körper sowieso mehrere Monate braucht, um sich an Hormone zu gewöhnen, gebe ich dem ganzen auch erstmal noch Zeit. Mindestens die zwei Monate bis zum neuen Jahr will ich einfach abwarten, was passiert, was sich vielleicht wieder einpendelt.

Und jetzt?

Es ist jetzt 2020, Anfang Januar. Ich nehme die Visanne seit etwas mehr als zwei Monaten und meine Theorie, dass sich einige Dinge einpendeln werden, hat sich bestätigt. Meine Haare waren die ersten, die sich wieder eingekriegt haben und jetzt aufgehört haben, wie wild aus meinem Kopf rauszufallen. Auch meine ständigen Kopfschmerzen sind wieder verschwunden. Ob die vom Wetter kamen oder von der Visanne? Weiß ich echt nicht, auf jeden Fall sind sie weg, und das ist alles, was für mich zählt. Tatsächlich auch wieder fast verschwunden sind meine psychischen Nebenwirkungen, ich bin nicht mehr übermäßig gereizt oder übermäßig emotional. Das war auch das, was mich am meisten belastet hat – deshalb bin ich heilfroh, dass sich das eingependelt hat.

Einige Dinge werden aber wohl erstmal noch bleiben: Meine Akne hat mich zwischendurch an der Nase herumgeführt, meine Haut wurde viel besser, ich dachte, das wäre es jetzt gewesen. Leider nein, leider gar nicht. Mein Gesicht sieht noch immer aus, als würde ich meine Pubertät nochmal durchleben. Ich fürchte, das wird mich auch noch eine Weile begleiten. Vielleicht kriegt sich das noch ein, vielleicht aber auch nicht. Auch Rückenschmerzen und Abgeschlagenheit begleiten mich noch immer jeden Tag. Aber wie schon gesagt, die möchte ich nicht der Visanne in die Schuhe schieben, da dafür auch andere Dinge verantwortlich sein können.

Mein Zwischenfazit zur Visanne bei Endometriose

Ich bin ganz ehrlich überrascht davon, wie „gut“ ich die Visanne vertrage. Ich hab einfach nach allem, was ich gelesen habe, und meinen Erfahrungen mit der Pille vorher damit gerechnet, dass ich damit nicht klarkommen würde. Es ist natürlich nicht perfekt, einige Nebenwirkungen begleiten mich ja noch, aber für mich sind die deutlich besser als das, was meine Endometriose mit mir machen würde, ließe ich ihr freie Bahn. Außerdem halte ich es auch immer noch für möglich, dass sich das noch einpendelt. Der Körper braucht einfach eine ganze Zeit, um sich an die Hormone zu gewöhnen – das habe ich ja selbst gesehen an den Nebenwirkungen, die wieder verschwunden sind.

Mein Rat also an diejenigen, die in einer ähnlichen Lage sind wie ich es war: Gebt der Visanne vielleicht einfach eine Chance und guckt es euch ein paar Wochen an, gebt eurem Körper Zeit, sich daran zu gewöhnen. Einiges kann sich wieder einpendeln, manches vielleicht auch nicht. Aber die Nebenwirkungen zu haben ist sicherlich in vielen Fällen einfach besser als das, was die Endometriose bei euch anrichtet.

Lest jetzt auch über meine neuen Erfahrungen mit der Visanne! Wenn ihr Fragen, Feedback oder Anmerkungen habt, dann schreibt mir gerne einen Kommentar oder eine Nachricht.

6 thoughts on “Visanne bei Endometriose – meine ersten Erfahrungen

  1. Hey,
    vielen Dank für deinen Beitrag!
    Ich selbst wurde Anfang Dezember diagnostiziert und bekam auch die Visanne verschrieben. Eigentlich habe ich mich 2016 bewusst gegen eine hormonelle Verhütung entschieden, da ich immer das Gefühl hatte mehr Nebenwirkungen als Vorteile von der Pille zu haben. Und jetzt doch wieder diese Hormone! Meine Angst ist groß vor den Nebenwirkungen, vor allem die psychischen. Und diese Ängste wurden von Erfahrungsberichten natürlich geschürt. Es tut gut, jetzt deinen Beitrag zu lesen! Dass sie nicht nur schlecht ist. Danke dafür 🙂
    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und hoffentlich bekommst du die Akne gut in den Griff.

    1. Vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Die Visanne ist eben immer sehr individuell, man liest einfach nur so viel schlechtes, dass es mir sehr wichtig war zu teilen, dass es nicht immer eine Katastrophe sein muss mit den Nebenwirkungen! Es freut mich, dass dir mein Beitrag Mut gemacht hat – so war es gedacht! Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg und hoffe, dass du das alles auch ganz gut verträgst! 🙂

  2. Hallo
    Ich bin 45 Jahre alt und plage mich fast 20 Jahre mit Endometriose herum. Da meine Beschwerden immer stärker wurden ( Erbrechen,Krämpfe,starke Stimmungsschwankungen,Magen-Darm Beschwerden) wurde mir gestern Zafrilla verschrieben. Da ich eine ziemlich ängstliche Person bin, gerade was Medikamente und Nebenwirkungen angeht googelte ich also nach und landete hier. Zafrilla gibt es wie ich erfahren habe erst seit Januar 2020, somit wird mir ständig der Vorgänger Visanne angezeigt. Ich bin froh über das, was ich hier lesen konnte, da es mir ein wenig die Angst vor der Einnahme eines Medikaments gegen die Endometriose genommen hat. Alles gute allen Betroffenen! LG

    1. Hey! Vielen Dank – es freut mich sehr, dass dir mein Beitrag ein bisschen die Angst nehmen konnte. Mittlerweile nehme ich selber ja auch nicht mehr die Visanne, sondern die Verybel, was aber auch „nur“ ein Generikum mit dem gleichen Wirkstoff ist.
      Ich wünsche dir alles Gute! 🙂

  3. Hallo Lea, danke für deinen Beitrag.
    Ich nehme die Visanne seit etwa fast 2 Jahren und ich hab jetzt eine Zyste am Eierstock bekommen.
    Wie du so schön beschrieben hast, hatte ich die gleichen Nebenwirkungen am Anfang, jedoch sind auch neue dazu gekommen.
    Manchmal hab ich das Gefühl, dass ich halluziniere, ich sehe manchmal so schwarze Schatten. Auch hab ich manchmal schlimme Albträume.. Ist das bei euch auch so?

    Liebe Grüsse

    1. Hey – ich danke dir! 🙂
      Nein, diese Nebenwirkungen kenne ich persönlich jetzt nicht, aber Probleme mit dem Schlafen grundsätzlich habe ich auch unter den Hormonen.
      Zurzeit überlege ich aber sowieso, die Visanne nicht mehr allzu lange weiterzunehmen…
      Liebe Grüße! 🙂

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