Das Vorgespräch meiner Endometriose Operation

Ein Bild von mir am Strand in die Ferne guckend vor der Endometriose-Operation.

Knapp sechs Wochen habe ich auf diesen Termin gewartet. Sechs Wochen mit anhaltenden Schmerzen, in denen ich rückblickend viel zu viel Zeit hatte, über alles nachzudenken…

Ein Bild von mir am Strand in die Ferne guckend vor der Endometriose-Operation.

Achtung, das ist der dritte Teil meiner Endometriose Geschichte – wollt ihr erst über meinen ersten Endometriose Verdacht lesen oder komplett am Anfang beginnen?

Es ist der 13. September 2019, der Tag meines Vorgesprächs für meine anstehende Endometriose-Operation. Knapp sechs Wochen habe ich auf den Termin gewartet. Sechs Wochen mit anhaltenden Schmerzen, in denen ich rückblickend betrachtet viel zu viel Zeit hatte, über alles nachzudenken. Ich freue mich aber auf den Termin und bin irgendwie auch aufgeregt und angespannt. Ich hab große Hoffnung, dass jetzt alles schnell geht mit der Operation. Am Telefon hatte man mir nämlich vorher gesagt, einen OP-Termin bekäme man nach dem Vorgespräch innerhalb von vier Wochen.

So viel Papierkram

Ich fahre früh morgens los, mein Termin ist um neun und ich will auf jeden Fall pünktlich da sein. Als ich in der Praxis ankomme, kriege ich viel Papierkram in die Hand gedrückt, den ich ausfüllen soll: Die obligatorische Datenschutzerklärung, einen mehrseitigen Aufklärungsbogen über die Operation, einen mehrseitigen Aufklärungsbogen über die Narkose und diverse Zettel mit Angaben zu meiner Person, meiner Krankengeschichte und diversen anderen Dingen.

Im Wartezimmer fange ich an, nach bestem Wissen und Gewissen meine ganzen Zettel mit Fragen auszufüllen. Dabei soll ich unter anderem angeben, ob ein erhöhtes Risiko für Thrombose besteht, ob ich regelmäßig Medikamente nehme und ob ich oder jemand in meiner Familie vielleicht eine erhöhte Blutungsneigung oder eine Veranlagung zu maligner Hyperthermie (hohes Fieber bei/nach Narkose) hat. Zählt knapp jeden zweiten Tag Ibuprofen einnehmen als regelmäßiges Medikament? Ich hab absolut keine Ahnung, schreibe es wohl mal auf. Hat jemand in meiner Familie eine Blutungsneigung? Nicht das ich wüsste, muss man sowas wissen? Besteht Thrombose-Risiko? Keine Ahnung, das würde ich wohl wissen, wenn es so wäre, oder? Natürlich sind nicht alle Fragen schwer zu beantworten, aber ehrlich gesagt bin ich an der ein oder anderen Stelle gnadenlos überfordert, was ich eintragen soll. Sicherlich hängt das aber auch mit meiner Anspannung zusammen.

Das Gespräch

Weit komme ich mit dem Ausfüllen aber sowieso nicht, denn schon nach kurzer Zeit werde ich aufgerufen. Meinen Zettel-Berg klemme ich mir unter den Arm und nehme ihn mit ins Untersuchungszimmer, das als ich reingehe eher einem Büro entspricht. Nach kurzer Zeit kommt eine Ärztin herein, die mein Vorgespräch mit mir führen soll. Zuerst sprechen wir die lange Liste durch, die auf meiner Überweisung steht, ich zitiere: V.a. Endometriose, V.a. Endometriose Zyste rechts, Dysmenorrhoe, Hypermenorrhoe, chronische Unterbauchschmerzen.

Ja, auch ich hab einige der Begriffe googlen müssen, das will ich euch aber ersparen, deshalb kurz am Rande: V.a. bedeutet Verdacht auf, Dysmenorrhoe meint krampf- oder kolikartige Schmerzen während der Menstruation und Hypermenorrhoe bedeutet sehr starke Menstruationsblutung mit erhöhtem Blutverlust. Letzteres ist übrigens unter anderem ein Grund gewesen, wieso ich aufgehört habe, die Pille zu nehmen. Dieses Thema würde jetzt aber vollkommen den Rahmen sprengen – falls euch das aber interessiert, lasst es mich gerne wissen.

Die Ärztin fragt mich noch ein paar weitere Dinge ab, die ich teilweise auch schon in meinem riesigen Fragebogen angeben musste. Unter anderem ob ich schonmal operiert worden bin und eine Narkose hatte, was ich mit ja beantworte. Wie gut ich das vertragen habe, ob ich danach Probleme hatte. Ob ich von Gerinnungsstörungen in meiner Familie wüsste und noch vieles mehr. Auch über meinen doch recht regelmäßigen Schmerzmittelkonsum sprechen wir kurz.

Die Untersuchung

Im Anschluss an die ganzen Fragen werde ich nochmal untersucht. Das Untersuchungszimmer ist eine Tür weiter. Zuerst wird mein Unterleib abgetastet – das kenne ich von meiner Gynäkologin. Beim Drücken auf meine rechte Seite springe ich vor Schmerzen fast vom Stuhl. Kein Wunder, wir wissen mittlerweile alle, dass dort mein vergrößerter Eierstock mit Zyste drin sitzt. Danach wird der bereits bekannte Ultraschall gemacht. Die Praxis möchte sich auch noch einmal ein Bild davon machen, wie es in meinem Bauchraum so aussieht. Die Zyste sieht aus wie beim letzten Termin bei meiner Gynäkologin. Die Ärztin in Großburgwedel bestätigt noch einmal, dass eine Operation der richtige Weg ist. 

Wie meine Endometriose Operation ablaufen soll 

Nach meiner Untersuchung besprechen wir, wie der Eingriff verlaufen wird. Geplant ist eine Bauchspiegelung, eine Laparoskopie, die ambulant durchgeführt werden soll. Die Ärztin zeichnet mir auf, wo die kleinen Einstiche gemacht werden und wo welche Instrumente reinkommen. Weil meine Zyste natürlich so mitten im Eierstock echt doof liegt, warnt sie mich vor, dass ich wohl mit drei bis vier Einschnitten rechnen soll. Mein Eierstock wird übrigens wohl aufgeschnitten werden müssen, um überhaupt an das Ding ranzukommen. Sie erklärt mir aber, dass das, wenn alles gut läuft, nicht weiter schlimm ist und verheilt.

Außerdem soll vaginal eine Art Stab eingeführt werden, um die Gebärmutter bewegen zu können. Die paar Millimeter, die die Gebärmutter dadurch geschoben werden kann, würden manchmal einen echten Unterschied machen, wie gut man an Organe rankommt und operieren kann. Sie klärt mich darüber auf, dass dabei ein gewisses Risiko besteht, dass sie während der Endometriose Operation meine Hormonspirale rausnehmen müssen oder die am Ende beim Rausziehen des Stabs verrutscht. Ist mir egal, meine Hormonspirale ist derzeit wirklich nicht meine Priorität. Ich frage nach, was passiert, wenn ich noch an anderen Stellen Endometriose habe. Die würde entfernt werden, solange sie nicht großflächig andere Organe wie den Darm oder die Blase betrifft, wird mir gesagt.

Mögliche Komplikationen und der OP-Termin

Am Ende des Gesprächs werde ich noch über mögliche Komplikationen der Endometriose Operation aufgeklärt, ich zitiere: Blutung, Infektionen, Nervenverletzungen, Embolie, Thrombose, Organverletzungen (Gebärmutter, Blase, Darm, Harnleiter, Eierstock), eventuell Verlegung ins Krankenhaus und eventuell Bauchschnitt – eine ganz schön lange Liste. Das klingt auch alles erstmal sehr beängstigend. Allerdings ist das ja nicht meine erste Operation und ich weiß, dass ich über diese potenziellen Komplikationen aufgeklärt werden muss. So beängstigend, wie sie zum Teil sind, unterschreibe ich das Ganze. Jetzt bekomme ich noch einen Merkzettel, was ich zur Operation mitbringen soll, wann ich da sein soll, ab wann ich nüchtern bleiben muss und was es sonst noch so zu beachten gilt.

Zuletzt geht es noch um den Termin meiner Endometriose Operation. Meine Spannung steigt, wie bald wird es soweit sein? Es folgt Ernüchterung, die Ärztin schlägt mir den 8. November vor. Ich rechne schnell im Kopf aus, dass das noch acht Wochen hin ist. Ich frage, ob es nicht früher ginge. Sie erklärt mir, dass früher zwar Termine frei wären, sie bei mir aber gerne einen bestimmten Arzt operieren lassen möchte. Einer, der die meiste Erfahrung mit so derart blöd gelegenen Zysten hat. Darüber zu diskutieren erscheint mir unsinnig, deshalb stimme ich zu. Ich werde noch in einen anderen Raum geschickt, wo mir Blut abgenommen und mein Blutdruck gemessen wird. Außerdem muss ich noch kurz auf die Waage. Danach ist mein Termin vorbei, mein Operations-Termin steht und ich verlasse die Praxis.

Meine Ernüchterung

Ich möchte jetzt ganz ehrlich sein: Schon auf dem Weg nach draußen liefen mir die Tränen. Als ich dann im Auto saß, hab ich erstmal eine halbe Stunde lang bitterlich geweint, bevor ich nach hause gefahren konnte. Warum? Weil dieser späte Termin für mich acht weitere Wochen Dauerschmerzen bedeutet. Ich habe nach dem Telefonat, in dem mir gesagt wurde, es würde Termine innerhalb von vier Wochen geben, einfach mit etwas anderem gerechnet. Vielleicht habe ich mich auch einfach zu sehr in das Ganze Thema reingesteigert, weil ich auch schon auf das Vorgespräch so viele Wochen gewartet habe. Vielleicht hab ich einfach zu viel Zeit gehabt, zu viel darüber zu philosophieren, wie schnell der Termin wohl stattfinden könnte. Acht Wochen noch abwarten zu müssen, war einfach nichts, was ich überhaupt als Option in Betracht gezogen habe. 

Rückblickend betrachtet mag es meine eigene Schuld gewesen sein, dass mich das emotional so extrem mitgenommen hat, aber ich denke viele Betroffene können dieses Gefühl der absoluten Hilflosigkeit und Ernüchterung nur zu gut nachvollziehen. Ich war einfach fertig mit den Nerven, noch den gesamten Tag, hab immer wieder angefangen zu weinen. Nicht, weil ich mich in der Praxis nicht gut aufgehoben oder aufgeklärt gefühlt habe, ganz im Gegenteil. Einfach, weil meine Anspannung vor dem Vorgespräch sich über so viele Wochen hinweg aufgebaut hat, dass dieser OP-Termin für mich wie ein Schlag ins Gesicht war. Einfach, weil die Vorstellung, weitere acht Wochen so rumlaufen zu müssen, mich deutlich tiefer getroffen hat, als ich erwartet hätte.

In der Fortsetzung meiner Endometriose Geschichte geht es um die Zeit bis zu meiner Operation! Wenn ihr Fragen, Feedback oder Anmerkungen habt, dann schreibt mir doch gerne einen Kommentar oder eine Nachricht.

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