Was ich 2019 gelernt habe und wieso ich dankbar dafür bin

Das Bild zeigt mich dankbar lächelnd für 2019.

2019 – was für ein Jahr. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. 2019 hat eigentlich so gut begonnen und doch irgendwie vollkommen daneben geendet. Es gab so viel Gutes, aber eben auch so viel Schlechtes…

Das Bild zeigt mich dankbar lächelnd für 2019.

Ganz ehrlich? Eigentlich bin ich wirklich nicht der Typ für dieses ganze Ding mit den Jahresrückblicken und den guten Vorsätzen für das neue Jahr. Aber im vergangenen Jahr ist ja, wie wir alle wissen, so einiges bei mir passiert, aus dem ich rückblickend erstaunlich viel, nicht nur über mich, sondern auch insgesamt, gelernt habe. Deshalb will ich heute tatsächlich darüber schreiben, was 2019 mir so alles beigebracht hat und was ich versuchen möchte, daraus mitzunehmen. Aber keine Angst, gute Vorsätze gibts hier nicht, die find ich nämlich immer noch blöd…

2019 – was für ein Jahr. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. 2019 hat eigentlich so gut begonnen und doch irgendwie vollkommen daneben geendet. Es gab so viel Gutes, aber eben auch so viel Schlechtes. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, will ich versuchen, nicht negativ auf das Jahr zurückzuschauen. Ich möchte mich viel lieber auf die schönen Momente in 2019 fokussieren, denn es gab genug davon und einfach so vieles, worauf ich stolz und wofür ich dankbar sein kann.

Ganz viel Dankbarkeit

Allem voran habe ich gelernt, dankbar für Dinge zu sein, die ich immer als selbstverständlich angesehen habe, bis sie mir weggenommen wurden. Ganz vorne mit dabei meine Gesundheit. Sie war grandios, als sie da war, doch ich hab das nie sehen oder wirklich wertschätzen können. Erst ab dem Moment, ab dem sie nicht mehr da war, ich ständig Schmerzen hatte und mich auf meinen eigenen Körper nicht mehr verlassen konnte, habe ich gelernt, wie großartig Gesundheit ist und wie glücklich wir uns dafür schätzen sollten.

Ich bin auch dankbar dafür, nach mehreren Jahren endlich zu wissen, dass ich nicht verrückt bin, sondern krank. Dankbar für meine Ärzte, die mich ernst genommen und nicht abgetan haben, was ich erzählt habe. Dankbar dafür, dass sie das Puzzle zusammenfügen konnten und endlich klar ist, woher meine gesundheitlichen Einschränkungen kommen. So schwerwiegend die Diagnose einer chronischen Krankheit ist, so dankbar bin ich doch dafür, jetzt einfach zu wissen, dass nichts von allem, was war oder ist, meine eigene Schuld ist.

Dankbar für die kleinen Dinge

Ich bin außerdem dankbar für die vielen kleinen Dinge, meine kleinen Erfolge. Dass ich mich getraut habe, mit der Endometriose an die Öffentlichkeit zu gehen und einen Blog zu starten, auf dem ich über dieses so persönliche Thema schreibe, darauf bin ich stolz. Dass ich vier Wochen nach meiner Endometriose Operation schon wieder auf dem Pferd gesessen habe, in allen Gangarten im Gelände geritten bin, dafür bin ich dankbar.

Ob ich irgendwann auch dankbar für die Endometriose selbst sein kann? Die Frage hab ich mir beim Schreiben auch gestellt… Vielleicht komme ich irgendwann an einen Punkt, an dem ich nur das Gute an ihr sehen kann, das fällt mir aber grade noch unglaublich schwer und ich bin auch nicht sicher, ob der Tag jemals kommen wird. Aber ich mache mir Gedanken darüber, denn sie hat schon auch viel Gutes bewirkt, auch wenn sie selbst eigentlich eher ziemlich blöd ist. 

Dankbar für all die Unterstützung

Ich bin auch unglaublich dankbar für all die Unterstützung, die ich bekommen habe. Für all die lieben Nachrichten, als ich operiert wurde und in der Zeit danach und für all die Menschen, die einfach nur mal hören wollten, wie es mir jetzt geht. Für all den positiven Zuspruch und all diejenigen, die mir erzählt haben, dass sie selber Endometriose haben oder einen Verdacht und auch bald operiert werden. Also auch für all die Menschen, die ich durch die Endometriose neu kennenlernen durfte in diesem Jahr. Vor allem aber bin ich dankbar für all den Support, als ich mit dem ganzen Thema an die Öffentlichkeit gegangen bin. Für euch, wie ihr jetzt gerade vor eurem Bildschirm sitzt und diesen Beitrag lest. 

Ebenfalls unglaublich dankbar bin ich dafür, dass mich jede Woche mehrere Nachrichten von anderen Betroffenen erreichen, die mich über Instagram oder Google finden. Nachrichten, in denen mir gesagt wird, dass mein Mut und meine Offenheit, über die Endometriose so zu sprechen, ihnen unglaublich hilft und das sie mir wiederum dankbar dafür sind. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich mich diese Nachrichten machen. Sie bestärken mich unglaublich darin, dass ich hier das Richtige tue und auch genau das erreiche, was mein Ziel ist: andere von Endometriose Betroffene zu unterstützen und ihnen eine Hilfe zu sein. 

Dankbar für meine Familie

Natürlich bin auch dankbar für meine Familie, die mich bei dem ganzen Bums begleitet hat. Meine Familie, die nach der Operation einfach da war, damit ich nicht alleine bin, wenn Philip weg ist. Meine Familie, mit der ich stundenlang das Thema Endometriose wieder und wieder durchgekaut habe, weil ich einfach so viel Redebedarf hatte, und so viel, worüber ich einfach diskutieren wollte. Ich habe gelernt, wie unglaublich wertvoll es ist, dass man sich auf seine Familie verlassen kann, egal, was ist und wie sehr man vielleicht auch mit dem Thema nervt.

Dankbar für Philip 

Unendlich dankbar bin ich natürlich auch für Philip. Für all die schönen Dinge. Dafür, dass wir Anfang des Jahres zusammen alle Unikurse beendet haben und dann mehrere Monate mit dem Auto in Skandinavien unterwegs waren, ohne Sorgen, frei nach Schnauze wie es uns grad in den Kram gepasst hat. Von Dänemark über Norwegen nach Schweden und Finnland einmal zum Nordkapp und zurück um den Bottnischen Meerbusen herum. Eine so sorgenfreie Zeit, mit so viel wunderschönen Erlebnissen und Erinnerungen – dafür bin ich sehr dankbar. 

Ich bin aber auch dankbar für die ganzen schlimmen Momente in diesem Jahr, in denen Philip auch da war, immer. Dafür, dass er stundenlang mit mir alles über Endometriose recherchiert und diskutiert hat, mich zu meinen Terminen begleitet hat, mir als es hart auf hart kam beim An- und Ausziehen geholfen hat und so vieles mehr, was alles war. Dankbar dafür, dass ich mit dem ganzen Kram einfach nicht alleine war, sondern auf ihn zählen konnte, mich auf seine stoische Ruhe in dem ganzen Chaos verlassen konnte. Ich glaube, das alles hat uns zusammen noch stärker gemacht hat, als wir sowieso schon waren. Ich glaube, dass ich das alles alleine bei weitem nicht so gut weggesteckt hätte.

Neue Prioritäten

Neben der ganzen Dankbarkeit habe ich aber noch etwas weiteres gelernt in diesem Jahr. Das Wissen, jetzt bis auf unbestimmte Zeit erstmal krank zu sein, hat für mich viele Dinge in eine neue Perspektive gerückt und meine Prioritäten wirklich verschoben. Dinge, über die ich mich vorher aufgeregt habe, wegen denen ich sauer oder enttäuscht war, haben einfach so ihre Bedeutung verloren. Sie sind nicht mehr wichtig für mich. Ich möchte meine wertvolle Kraft einfach nicht mehr dafür aufwenden, unnötige negative Gedanken und Emotionen am Leben zu erhalten. Es gibt so viel wichtigere Dinge im Leben als das.

Ich weiß, dass das alles vielleicht total abgedroschen klingt. Aber ich hatte dieses Jahr das Glück, genau zum richtigen Zeitpunkt jemanden zu treffen, der mir deutlich gemacht hat, wie wichtig Dankbarkeit und positive Reflexion ist – vor allem, wenn gerade ein Ding nach dem anderen den Bach runtergeht und die Kacke einfach mal so richtig am Dampfen ist. Dieses Mindset hat mir besonders zum Ende des Jahres hin unglaublich dabei geholfen. Dabei, alles, was passiert ist, vernünftig zu reflektieren und so auch zu verarbeiten.

Das ist also das, was ich gelernt habe in diesem Jahr und was ich für die Zukunft mitnehmen möchte. Das wird sicherlich auch nicht immer funktionieren. Es gibt Momente, in denen muss man halt einfach mal weinen, traurig oder wütend sein – das ist auch vollkommen okay, die werde ich auch haben, immer wieder. Ich möchte aber einfach versuchen, mich in Zukunft viel mehr auf das Positive zu konzentrieren, statt im Negativen unterzugehen. 

Was ich mir für 2020 wünsche

Was ich jetzt aber eigentlich nur damit sagen will: Versucht vielleicht einfach mal alle ein bisschen dankbar durch euer Leben zu gehen. Dankbar zu sein, für all die guten Dinge, die passieren, auch wenn sie vielleicht noch so klein sind. Das ist nicht immer einfach, vor allem, wenn gerade alles in die Hose zu gehen scheint, das weiß ich selbst nur zu gut. Trotzdem gibt es auch in den blödesten Momenten meistens irgendetwas Gutes – vielleicht müsst ihr nur etwas danach suchen. 

Zum Abschluss noch mein einziger Wunsch für das nächste Jahr, der die Verschiebung meiner Prioritäten wirklich ganz gut widerspiegelt  – und nein, hier kommt jetzt kein guter Vorsatz. Mein Wunsch ist eher etwas, auf das ich selber keinen oder nur kaum Einfluss nehmen kann: Ich wünsche mir nämlich „nur“, dass meine Endometriose sich am Riemen reißt, und nicht wieder auftaucht, wann, wo und wie es ihr gerade so in den Kram passt. Denn ich hoffe vor allem, dass ich in 2020 erstmal nicht nochmal operiert werden muss, meine Organe nicht weiter in Mitleidenschaft gezogen werden und ich vielleicht vorübergehend einfach mal einigermaßen meine Ruhe von dem Ganzen habe. Das ist auch schon alles, was ich mir für das neue Jahr wünsche – warten wir mal ab, was wirklich kommt…

Mich interessiert übrigens sehr, für was ihr gerade dankbar seid und was ihr euch für 2020 wünscht – ich würd mich deshalb freuen, wenn ihr mir das in die Kommentare schreiben würdet! Interessiert dich meine Geschichte mit der Endometriose? Alle Beiträge dazu findest du in dieser Kategorie.

2 thoughts on “Was ich 2019 gelernt habe und wieso ich dankbar dafür bin

  1. Zuerst einmal danke für diesen schönen Beitrag! 🙂 Bin auch kein Fan von Vorsätzen. Sinnvoller finde ich, sich Ziele zu stecken und diese zu verfolgen – und das nicht nur zu Jahresbeginn. 😀

    Ich bin super dankbar, in 2019 eine Vision gefunden zu haben, die mich erfüllt und antreibt. Außerdem dafür, dass ich so zielstrebig bin, meine Ziele zu verfolgen, ohne dabei in Stress zu verfallen. Wahrscheinlich weil ich gelernt habe, dem Leben zu vertrauen. Alles kommt so wie es kommen soll. Auch dafür bin ich dankbar.

    Ich find es deshalb aber auch schwierig zu sagen, was ich mir für 2020 wünsche, da ich der festen Überzeugung bin, dass jeder selbst für sein Glück verantwortlich ist. Natürlich wünsche ich mir, dass alle meine geliebten Menschen an meiner Seite bleiben. Aber auch, dass ich besser im Annehmen werde, sollte das nicht so sein.

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