Ellas Endometriose Geschichte

Ellas Endometriose Geschichte

„Ich schmiss mir eine Schmerztablette nach der anderen ein, weil ich unbedingt funktionieren wollte. Ich wollte nicht krank sein, nicht ausfallen, sondern arbeiten bis zum Umfallen, um diesen Job zu behalten…“

Ellas Endometriose Geschichte

Stell dich vorweg doch einmal kurz vor!

Ich bin Ella, eigentlich Aurelia, mich nennen aber alle Ella, weil ich mir in jungen Jahren den Namen selbst gegeben habe, da ich Aurelia nicht aussprechen konnte… jaa, so viel dazu. 🙂

Ich bin 28 Jahre alt, wohne in Essen, im schönen Ruhrgebiet, und arbeite als Grafikerin in einer Agentur in Düsseldorf. Mit meinem Instagram-Account @ellasarchiv versuche ich den Umgang mit meiner Endometriose illustrativ festzuhalten. 

Nun zu deiner Endometriose Geschichte: Welche Symptome hattest du?

Meine Periode bekam ich mit 13 und ich hatte lange Zeit kaum Probleme. Erst mit ungefähr 23/24 Jahren und durch den Wechsel von Pille auf den Hormonring, merkte ich die ersten Veränderungen recht schnell. Ich dachte mir allerdings erstmal nichts dabei. Die Schmerzen wurden schlimmer als ich die Hormone komplett absetzte. Gleichzeitig befand ich mich auch im absoluten Stress bei meinem damaligen Job. Ich wollte von meinem Leiden aber auch nichts wissen.

Deshalb fing ich wieder an die Pille zu nehmen und schmiss mir eine Schmerztablette nach der anderen ein, weil ich unbedingt funktionieren wollte. Ich wollte nicht krank sein, nicht ausfallen, sondern arbeiten bis zum Umfallen, um diesen Job zu behalten. Ich machte eine Überstunde nach der anderen, quälte mich zur Arbeit und litt stumm vor mich hin. Fazit: Es brachte nichts. Ich verlor meinen Job und hatte den nächsten Stress – nämlich einen neuen zu finden. Ich hatte Glück, nur nach drei Wochen Arbeitslosigkeit fand ich mich in Düsseldorf wieder. Und was will man da am wenigsten? Richtig, wegen Krankheit ausfallen…

Wann und wie wurde deine Endometriose dann diagnostiziert?

Ich ging Ende letzten Jahres dann doch nochmal zu meinem damaligen Frauenarzt. Ich hatte zwischenzeitlich gegoogelt und las sehr schnell das Wort Endometriose, was mir zu der Zeit noch gar nichts gesagt hatte. Meine Schmerzen wurden schlimmer, vor allem hatte ich neue sehr ausgeprägte linksseitige Schmerzen und auch der Zeitraum, in dem ich diese Schmerzen hatte, verlängerte sich. Waren es am Anfang „nur“ zwei Tage Horror, dehnte sich dieser jetzt auf mehr als eine Woche aus. Mein damaliger Frauenarzt untersuchte mich zwar, sagte mir aber im Vorhinein, dass Endometriose völlig abwegig sei. Das wäre eine sehr seltene Erkrankung und ich wäre auch viel zu jung dafür.

Ein Glück für alle Beteiligten: Dieser Arzt ging dann in seine Frührente. Ein neuer jüngerer Frauenarzt übernahm seinen Platz und nur durch Zufall (weil ich ein neues Rezept für die Pille brauchte) untersuchte er mich und fragte mich, ob ich schon mal was von Endometriose gehört habe. Durch den Ultraschall sah er Anzeichen dafür, außerdem eine Zyste am linken Eierstock und auch meine Symptome sprachen sehr dafür. Er empfahl mir, in ein Krankenhaus zu gehen, das auf Endometriose spezialisiert ist. 

Wie oft wurdest du schon operiert und wie war das?

Es ging dann alles unglaublich schnell. Mitte Januar 2020 hatte ich meine Untersuchung im Krankenhaus und meine erste Operation war drei Tage später, da meine Zyste mir immer größere Probleme bereitete. Ich wusste überhaupt nicht, was mich erwartete. Für mich war das ein kleiner Eingriff, die Zyste sollte halt weg. Bei meinem Teamleiter verabschiedete ich mich mit: „Wir sehen uns in drei Tagen“. Letztendlich lag ich eine Woche im Krankenhaus und war zwei Wochen danach krank geschrieben. Ich konnte mich nicht bewegen, ich konnte vier Tage nichts bei mir behalten, ich konnte mich nicht selbstständig waschen…

Wie ist deine Endometriose ausgeprägt? Wo sitzt oder saß sie?

Meine Operation dauerte dann ganze drei Stunden. Mir wurde eine sechs Zentimeter große Zyste entfernt. Ich hatte eine sehr ausgeprägte tief infiltrierende Endometriose im Bereich der linken Beckenwand (eine Art vernarbte Platte), des linken Eierstocks, am Dickdarm, am Rektum sowie im Douglasraum. 

Wie gehst du jetzt mit deiner Endometriose um?

Ich nahm sechs Monate Dienogest, kam aber gar nicht mit den Nebenwirkungen klar, weshalb ich danach auf die Pille Evaluna gewechselt bin. Damit ging es mir anfangs relativ gut. Doch auch unter dieser Pille war ich mental nicht auf der Höhe. Ich entschied mich kurzerhand, komplett abzusetzen. Seit Dezember bin ich hormonfrei und lebe damit bis jetzt sehr gut. Die Schmerzen sind zwar wieder da, doch ich nehme lieber die Schmerzen in Kauf und bin ich selbst, als keine Schmerzen zu haben und dafür durchgängig matschig im Kopf zu sein. 🙂 

Ich weiß jetzt, warum ich die Schmerzen habe, die ich habe. Warum ich manchmal nicht so funktioniere, wie ich gern funktionieren würde, und muss immer noch lernen, damit umzugehen.

Wie geht dein Umfeld mit deiner Endometriose um?

Sie gehen alle soweit verständnisvoll damit um. Ich hatte in meiner Vergangenheit meine Schmerzen aber auch nur selten kommuniziert. Das Ausmaß war meinem direkten Umfeld gar nicht so klar, weil ich mir selbst so im Weg stand und es abgetan habe. Erst kurz vor der Operation, als die Schmerzen immer schlimmer wurden, wurde allen klar, das können nicht nur „normale“ Periodenschmerzen sein.

Was würdest du jemandem mitgeben, der kurz vor seiner Operation steht oder frisch diagnostiziert wurde?

Informiere dich auf jeden Fall ausreichend. Bei mir ging alles unglaublich schnell, ohne das ich zu der Zeit eine wirklich Ahnung hatte, was da genau auf mich zukommt oder was Endometriose eigentlich genau ist. Ich hätte gern das Wissen gehabt, das ich jetzt habe. 

Was möchtest du noch gerne einfach mal loswerden?

Wichtig ist, einfach auf sich und seinen Körper zu hören, unabhängig davon, wie die äußeren Umstände sind. Zwinge dich zu nichts, sondern achte auf dich. Ich selbst bin immer noch in dieser Lernphase. Ich vergesse mich gern und priorisiere andere Dinge. Dabei ist das Quatsch. Was hat man schon davon, wenn man selbst nicht glücklich ist und seinen Körper, der einen tagtäglich durch’s Leben trägt, nicht beachtet?

Danke Ella!

Vielen Dank, liebe Ella, dass du deinen Weg mit der Endometriose hier so offen und ehrlich mit uns geteilt hast. Damit gibst die dieser Krankheit ein weiteres Gesicht und zeigst noch einmal mehr, wie individuell sie sich äußern kann.

Übrigens hat die liebe Ella ein wundervolles Instagram-Profil mit großartigen Illustrationen – an dieser Stelle deshalb meine kleine Empfehlung an euch, dort vielleicht mal vorbeizuschauen. 🙂

Wenn ihr eure Endometriose Geschichte auch gerne erzählen möchtet, dann lasst es mich einfach wissen. Egal, ob über das Kontaktformular oder Instagram!

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