Corinnas Endometriose Geschichte

Corinna, die heute ihre Endometriose-Geschichte erzählt.

„Ich muss sagen, dieser kleine Endometrioseherd reicht mir vollkommen an Schmerzen und ich finde es beachtlich, wie so ein kleines blödes Teil so einen höllischen Schmerz verursachen kann…“

Corinna, die heute ihre Endometriose-Geschichte erzählt.
Foto: Franziska Wagner

Ach, die liebe Corinna – als ich zum ersten Mal ihre Endometriose Geschichte gelesen habe, war ich mehr als überrascht. Bisher hatte ich niemanden getroffen, dessen Geschichte meiner so ähnlich war. Aber das zeigt mir nur, dass so unterschiedlich die Endometriose auch abläuft, es doch irgendwo da draußen jemanden gibt, der einen ganz ähnlichen Weg hinter sich hat, wie man selber. Also wenn ihr meine Geschichte verfolgt habt, dann findet ihr davon wirklich einige Elemente auch bei Corinna wieder – aber am besten lest ihr selbst…

Ganz kurz vorweg: Wer bist du eigentlich?

Mein Name ist Corinna, ich bin 28 Jahre alt und lebe seit nun neun Jahren in einer glücklichen Beziehung. Ich habe ein Diplom in Kommunikationsdesign und meinen Bachelor in Fotografie im schönen London, UK gemacht. Zur Zeit arbeite ich als Medienfachlaborantin, einem ausgestorbenen Beruf in der analogen Fotografie-Szene, und bin glücklich, einen sehr verständnisvollen Chef und Kollegen gegenüber meiner Erkrankung zu haben.

Auf meinem Instagram-Kanal kläre ich über Endometriose auf, gebe meine persönlichen Erfahrungen weiter und helfe Betroffenen mit Rat und Tat. Ich habe immer ein offenes Ohr und Auge für meine Endosisters.

Nun zu deiner Endometriose Geschichte: Welche Symptome hattest du?

Ich hatte plötzlich tägliche Bauchschmerzen, Probleme und Schmerzen im unteren Rückenbereich, der teilweise sogar bis in die Beine zog. Sitzen, stehen tat mir weh. Liegen war die angenehmste Position. 

Wann und wie wurde deine Endometriose dann diagnostiziert?

Es ist angebracht, ein wenig Vorgeschichte zu diesem Thema zu leisten, denke ich: Ich hatte nie Probleme mit Unterleibsschmerzen und hatte immer absolutes Mitleid mit betroffenen Frauen. Unterleibsschmerzen konnte ich mir damals – als ich mit 15 meine Periode bekam – nie vorstellen. Ich wusste noch nicht einmal, wie sich ein Eisprung anfühlt. Ich hatte mit 16 begonnen die Pille Aida zu nehmen. 

Als Teenager schluckt man Hormone, ohne sich Gedanken darüber zu machen. Was diese Hormone mit dem eigenen Körper machen, ist einem da noch nicht bewusst, da es in dieser Hinsicht in dem Alter meiner Meinung nach ganz klar an Aufklärung mangelt! 

Mir wurde erst im Nachhinein bewusst, dass diese Stimmungsschwankungen und vieles mehr nie wirklich ich waren, sondern dass es die Hormone waren, die das in und an mir auslösten. Meine armen Mitmenschen, die mit meinen Schleudertrauma-artigen Stimmungsschwankungen leben mussten. Das war nicht ich!

In meinem Studium in London, 2014, habe ich so langsam realisiert, zu was für einem Zombie ich geworden bin. Die Pille passte nicht mehr zu mir, so viel stand für mich fest. Ich habe sogar Einnahmen immer häufiger vergessen.

Nach meinem Bachelor, 2016, bin ich zu meiner Frauenärztin gegangen und habe beschlossen, die Pille nach einigem Hin und Her abzusetzen und auf die Hormonspirale Jaydess für drei Jahre umzusteigen. Nach einem schmerzvollen Einsetzen war ich dann aber umso glücklicher, dass ich nun nicht mehr jeden Tag an die Einnahme einer Pille denken musste und ich wurde schnell entspannter und war vor allem wieder Herr meiner Gefühle! Das Leben mit der Spirale hat mir gefallen! Ich habe sogar plötzlich jeden Monat meinen Eisprung gemerkt, hatte hin und wieder dann mal Unterleibskrämpfe, aber das war alles noch im Rahmen und vor allem absolut aushaltbar.

Bei einem Frauenarztbesuch im Mai 2018 entdeckte meine Frauenärztin dann eine Zyste am rechten Eierstock. Sie meinte, das hätten viele Patientinnen, die mit einer Hormonspirale verhüten, und das wir nun beobachten werden, ob sie kleiner wird und im besten Fall wieder weggeht. Long story short: Sie ging nicht weg. 

Im Oktober 2018 fingen dann auf einmal tägliche Bauchschmerzen an, verbunden mit den anderen oben beschriebenen Symptomen. Komplett verwirrt wie ich war, habe ich mich mit Familie und Freunden ausgetauscht, in der Hoffnung, dass irgendwer an ähnlichen Problemen leidet und einen Tipp für mich hat. Alle meinten, ich sollte es erstmal beobachten, gucken, ob es wieder weggeht, bevor ich sofort zum Arzt laufe.

Melissentee wurde mein täglicher Freund, aber keine Besserung in Sicht. Meine Rückenprobleme nahmen ebenfalls erheblich zu, sodass ich zum Orthopäden ging, der mir ein CT und Schuheinlagen verschrieb. Bei dem CT war alles super und ich bekam dann Physiotherapie für meinen Rücken verschrieben, was in dem Moment gut tat, aber leider nichts für die Dauer war, denn die Schmerzen kamen schnell wieder. Die Bauchschmerzen wurden parallel auch nicht besser, sodass ich bei meinem Hausarzt mal einen Ultraschall machen ließ: Außer Flüssigkeit, die sich um die Spirale gesammelt hatte, und der Zyste am rechten Eierstock, wurde nichts gefunden. 

Darauf ging ich zur Frauenärztin, die dann auch nochmal einen Ultraschall machte und mir erklärte, dass die Flüssigkeit, die sich um die Spirale an dem einen Tag gesammelt hatte, wohl nichts Schlimmes sei und hin und wieder sogar normal wäre.

In der Zeit wurde auch mein Stuhlgang, womit ich nie Probleme hatte, für meine Verhältnisse zu einer unangenehmen Katastrophe. Dieses Thema hat sich bis heute zwar gebessert, aber nicht mehr zu dem perfektioniert, was es einst war – dieses Zitat geht jetzt wahrscheinlich in die Geschichte ein.

Da wieder keine Besserung in Sicht war, bekam ich von meinem Orthopäden eine Überweisung für ein MRT für den unteren Rücken. Auch dort fand man nichts Auffälliges – bis auf die Zyste. Inzwischen waren die Ärzte so weit, dass sie mir versuchten zu erklären, ich hätte ein psychosomatisches Problem, bedingt durch private Probleme. Das habe ich versucht zu akzeptieren, kam mir aber irgendwo höchst missverstanden vor, da ich ein absolut taffer Mensch bin, an dem sowas abprallt und dem keine Probleme einfach so auf den Bauch schlagen! Ich wusste, da ist was anderes im Spiel.

Während dieser ganzen Zeit wurde ich auf Instagram über das Profil „Mädelsabende“ auf das Thema Endometriose aufmerksam gemacht, wovon ich früher nie was gehört hatte. Ich beschäftigte mich mit dem Thema und stellte fest, dass viele der beschriebenen Symptome zu meinen Beschwerden passten, dachte aber „nein, das ist so eine ernste Erkrankung, das kann doch nicht sein“.

Im Mai 2019 war die Zyste immer noch nicht weg, meine Frauenärztin wurde nervös und da fiel zum ersten Mal auch bei ihr das Wort Endometriose. Ich war wie gelähmt. Es sei sehr wahrscheinlich eine Endo-Zyste und sie müsse raus, sagte sie.

Daraufhin habe ich mir in der C3 Klinik in Aachen einen Termin gemacht und mich nach dem Vorstellungsgespräch sehr gut aufgehoben gefühlt! Die Ärztin sagte zu mir, dass Frauen schnell als „bebatscht“ oder „verrückt“ dargestellt werden und sich laut anderen Ärzten die Schmerzen nur „einbilden“ würden. Ganz einfach, weil sie nichts sehen oder finden können.

Wir haben beschlossen, dass wir bei der Operation auch die Spirale ziehen und keine neue einsetzen werden. 

Ich hatte einen Schmerzpunkt im Bauch, den ich bis heute genau lokalisieren kann. Die Zyste habe ich übrigens nie gespürt. Dies teilte ich der Ärztin kurz vor der Operation auch mit, die mir dann sagte, sie würde sich alles genau angucken, aber das so eine Zyste auch Schmerz ausstrahlen könne. Ich wusste, dass der Schmerzpunkt nicht von der Zyste ausstrahlte – strahlender Schmerz ist anders! Ich bin sehr gut in Selbstdiagnose.

Nach der Operation erhielt ich meine Diagnose Endometriose Stadium II, genauer gesagt: Endometriosis genitalis externa enzian score stadium II. 

Ich hatte meine Diagnose somit innerhalb von einem Jahr und die Zyste am Eierstock war für mich ein Glück im Unglück, da ich ohne sie immer noch mit unerklärlichen Schmerzen rumlaufen würde.

Wie oft wurdest du schon operiert und wie war das?

Ich wurde bisher zum Glück nur einmal operiert. 

Die Operation fand ambulant statt und ich durfte am gleichen Tag noch nach Hause. Das fand ich persönlich sehr gut, weil ich zuhause am schnellsten wieder fit werde. Wäre meine Endometriose fortgeschrittener gewesen, hätte ich mich stationär wahrscheinlich wohler gefühlt. Aber für meinen Fall war ich super glücklich und gut aufgehoben! Die Operation verlief problemlos. Im Aufwachraum wurde ich langsam wach und empfand brennenden Schmerz an den Wundstellen im Bauchraum. Mir liefen die Tränen die Wangen runter, als eine sehr liebe Schwester den Raum betrat, um nach mir zu sehen. Sie hing mir einen Schmerzmittel-Tropf an. Eine Stunde später bekam ich etwas zu Essen. Auf Essen freue ich mich nach Operationen immer am meisten! 

Die Ärztin kam danach herein und schilderte mir alles von der Operation inklusive der Details und teilte mir auch mit, dass ich aktuell auf dem medizinischen Stand der Endometriose zwei Möglichkeiten hätte: entweder schwanger werden oder eine Hormontherapie. Vor der Operation hatte ich mir klar gesagt: Keine Hormone mehr, Corinna. Die Ansichten haben sich nun aber auch wieder stark verändert! 

Ich musste noch eine gewisse Zeit liegen bleiben, bevor ich nach Hause durfte. Dann wagten meine beste Freundin, die mich an dem Tag begleitet hat, und ich den Versuch vorsichtig aufzustehen und nach Hause zu fahren. Angezogen und alles gepackt gingen wir zur Anmeldung, um meine Entlassungspapiere zu holen, als ich mich auf einmal nach einen Stuhl umsah, um mich hinzusetzen, da mein Kreislauf sich, wie so oft in Situationen wie diesen, verabschieden wollte. Ich ging ohne Kommentar Richtung Wartezimmer und setzte mich. Der Kreislauf wurde nicht besser und ich legte mich dann sofort auf den Boden, die Füße auf den Stuhl. Darin bin ich geübt. Ich habe einen Herzfehler, AV Block 2. Grades Typ Wenckebach, den ich durch Sport super im Griff habe, und dadurch schon öfter mit Kreislaufproblemen zu tun gehabt. 

Alle Schwestern und die Ärztin kamen sofort herbei gerannt mit einem Glas Wasser und ich sollte mich nochmal eine halbe Stunde bis Stunde in den Ruheraum legen. Das tat gut. So lag ich da eine weitere halbe Stunde, setzte mich dann langsam auf, blieb zehn Minuten sitzen und ging dann ganz langsam für weitere Minuten ein paar Schritte. Der Kreislauf blieb stabil und wir fuhren nach Hause.

Die Operation fand morgens um elf Uhr statt und wir waren so gegen halb fünf zuhause. 

Die ersten zwei Tage nach der Operation habe ich Schmerzmittel auf Rat eingenommen. Am dritten Tag brauchte ich schon keine mehr, denn mir ging es wirklich gut, ich war nur schlapp. Ich fing mit Arnika Globulis D6 an, die ich inzwischen jeden Tag konsumiere. 

Die Nachkontrolle bei meiner Frauenärztin war super. Meine Narben behandelte ich mit Arnikasalbe. Das ist wahrscheinlich einer der Gründe, wieso man meine Narben kaum sieht. Da ich mich aber größtenteils vegan ernähre, ist meine Wundheilung generell immer sehr gut. Ich wurde drei Wochen krankgeschrieben, was wirklich gut tat. Vor allem auch, um zu realisieren, dass man nun mit einer chronischen Erkrankung lernen muss zu leben.

Wie ist deine Endometriose ausgeprägt? Wo sitzt oder saß sie?

Meine Vermutung hatte sich bei der Operation bestätigt. Ein ungefähr ein Zentimeter großer angeblich oberflächlicher Endometrioseherd im linken Douglasraum wurde entfernt. Im Bereich des kleinen Beckens sah man noch hämosiderinhaltige Auflagerungen, jedoch ohne Hinweis auf weitere Endometriose. Da ich den entfernten Herd immer noch spüre, wird er wohl doch nicht oberflächlich gewesen sein! Ich muss sagen, dieser kleine Endometrioseherd reicht mir vollkommen an Schmerzen und ich finde es beachtlich, wie so ein kleines blödes Teil so einen höllischen Schmerz verursachen kann! Ich spüre auch auf der rechten Seite einen Herd, wo jedoch nichts gefunden wurde. Aber ich bin mir sicher, dass ich dort auch etwas finden würde, wenn ich selber die Operation führen dürfte. Würde würde Fahrradkette oder wie war das?

Wie gehst du jetzt mit deiner Endometriose um?

Ich bin glücklich, dass meine Endometriose so früh diagnostiziert wurde und sie keine Chance bekam, sich noch weiter auszuprägen. Ich gehe sehr positiv mit meiner Situation um. Für mich ein absolutes Muss!

Von der Zeit nach der Operation bis Anfang Januar 2020 habe ich die Visanne genommen. Die ersten drei Wochen hatte ich wieder Stimmungsschwankungen wie sonst was, aber dann kam ich super mit ihr klar. Ich war schmerzfrei.

Ich habe sie jedoch Anfang 2020 abgesetzt, weil andere Faktoren für mich nicht mehr tragbar waren.

Dann habe ich aber auch ziemlich schnell aufgrund starker Schmerzen gemerkt, dass ich ohne Hormone nicht leben kann, was mir meine Frauenärztin auch nochmal bestätigte. Ich möchte mich nicht jedes Jahr unters Messer legen und möchte vor allen Dingen nicht, dass sich die Endometriose weiter ausprägt. 

Meine Frauenärztin verschrieb mir die kombinierte Pille Sibilla, die ich durchnehmen soll und mit der ich bisher erstaunlicherweise super klarkomme, obwohl ich vorher absolute Horror-Geschichten über dieses Hormonpräparat auf meinem Instagram-Kanal lesen durfte! 

Ich nehme täglich ein paar ausgewählte Nahrungsergänzungsmittel, die meiner Meinung nach jeder Mensch in diesem Breitengrad konsumieren sollte: Vitamin D3, K2 und B12, dazu Arnica D6 Globulis und seit Anfang Februar auch Endometrium comp. Globulis.

Ich habe bisher keine Stimmungsschwankungen und bin bis auf ein- bis zweimal im Monat so gut wie schmerzfrei. Mal sehen wie es weitergeht und es sich entwickelt. 

Jede Endo-Patientin muss sich selber therapieren, da man selber seinen eigenen Körper am besten lesen kann! Ich für meinen Teil vertrete die Meinung, dass hormonfrei bei Endometriose aktuell noch nicht umsetzbar ist. Unvorstellbar für mich. Ich habe keine Lust, dass mein Bauch irgendwann noch voller ist. Da nehme ich die Hormone in Kauf!

Mich erreichen Nachrichten, wo Mädels jährliche Operationen in Kauf nehmen und das kann beim Besten Willen nicht Sinn der Sache sein!

Wenn ich ein- bis zweimal im Monat Schmerzen habe, fällt mir das positive Denken auch schwer und ich bin total weinerlich, weil ich mich kaum bewegen kann. Aber das treibt mich gleichzeitig auch an, etwas zu bewegen in Sachen Endometriose. Weshalb für dieses Jahr auch größere Shootings zu dem Thema anstehen und ich auch weitere Pläne verfolge. Für uns Endosisters!

Wie geht dein Umfeld mit deiner Endometriose um?

Mein Freund, mein Chef und Kollegen – eine Kollegin von mir hat ebenfalls Endometriose – und meine Freunde haben vollstes Verständnis dafür, auch wenn sie sich anfangs schwer taten, es zu verstehen. Meine Eltern tun sich sehr schwer mit dem Thema und haben glaube ich noch nicht realisiert, dass diese Erkrankung chronisch ist und in meinem Leben sehr wahrscheinlich nie mehr weggehen wird. Ich glaube, sie unterschätzen die Krankheit.

Immer, wenn ich neue, heftige Geschichten über die Erkrankung gelesen habe, berichte ich darüber. Erstens, um zu zeigen, dass man diese Erkrankung nicht unterschätzen darf und zweitens, weil man als Betroffene natürlich auch das Bedürfnis hat sich auszutauschen. Aber dann heißt es sofort ich würde mich zu sehr in das Thema hineinsteigern. Was ich nicht tue! Ich befasse mich intensiv mit dem Thema, klar! Ein Muss, wenn man damit leben muss, meiner Meinung nach.

Außerdem will ich anderen Betroffenen auch über meinen Instagram-Kanal helfen. Für meine Eltern sieht es so aus, als würde ich mich in die Krankheit einfach nur hineinsteigern! Sobald ich krank werde oder mal Magenprobleme habe, höre ich den Spruch „was hast du wieder gelesen!?“ – das macht mich so wütend und traurig zugleich! Als hätte ich Hypochondrie. Täglich lese ich die krassesten Geschichten, die mich traurig machen, aber mir nur zeigen, dass ich mich in meiner Lage glücklich schätzen kann, dass ich bisher noch gut aus der Situation herausgekommen bin, indem ich schnell die Diagnose erhielt – im Gegensatz zu anderen Mädels. 

Ich denke immer positiv und will eben nicht jeden Tag an die Krankheit denken müssen! Ich bin Herr über meinen Körper und nicht Ilse, so nenne ich meine Endometriose.

Verständnis im Umfeld hin oder her. Ich merke trotzdem, dass viele nicht verstehen, was es ist. Sie können sich das einfach nicht vorstellen, eben auch weil man mir äußerlich außer dem manchmal schmerzverzerrtem oder traurigen Blick nichts ansieht. Ich habe keinen Gips um meinen Bauch. Aber immerhin ist größtenteils das Verständnis da!

Was würdest du jemandem mitgeben, der kurz vor seiner Operation steht oder frisch diagnostiziert wurde?

Befasst euch vorher schon mit alternativer Medizin und setzt euch mit dem Thema auseinander. Dies wird nun sehr wahrscheinlich, wenn sich der Verdacht auf Endometriose bestätigt, ein Teil von euch, bei dem man nicht die Augen verschließen darf, sondern mit dem man lernen muss zu leben! 

Nehmt euch zum OP-Tag bequeme, nicht drückende Kleidung mit. Denkt positiv! Ein positives Mindset ist das A und O. Wenn ihr euch bei der Erstbesprechung nicht wohlfühlt, dann schaut euch alternative Kliniken an!

Auch wenn ihr Medikamente oder Hormone nehmt: Wenn ihr da mit einer negativen Einstellung ran geht, dann wird das auch nichts! Ich habe mich zum Beispiel mega auf die Globulis gefreut. Sie tun mir gut! Auch der Pille Sibilla gegenüber war ich trotz Horror-Geschichten positiv gestimmt. Jeder Körper ist anders, jedes Endo-Ausmaß ist anders und daher müsst ihr euch in allen Situationen ein eigenes Bild machen!. Ihr könnt nicht von anderen Mädels einfach auf euch schließen! Ihr könnt nur Dinge und Tipps, die ich euch beispielsweise auf meinem Kanal zur Verfügung stelle, ausprobieren. Vielleicht helfen euch ja auch ein paar Dinge, die mir gut tun. Hinzukommend kann ich doch keine Dinge einnehmen mit negativen Gedanken! 

Auch ein wichtiges Thema in der Hinsicht: Wenn man sich selber nicht von negativen Gedanken lösen kann oder generell negativer und pessimistisch gestimmt ist, würde ich mir persönlich Hilfe von einer außenstehenden Person holen. Das ist nichts Schlimmes und dafür braucht sich keiner zu schämen. Das ist ein absolutes Zeichen von Stärke und, dass ihr an euch arbeiten wollt! 

Negativität im Leben ist generell fehl am Platz! Ich habe die Überzeugung, dass diverse Krankheiten aus Trauer und Negativität entstehen können. Was ja sogar schon von Studien belegt wurde. Ihr dürft Tiefen haben, die habe ich auch, aber bitte nicht länger als ein bis zwei Tage im Monat!

Also denkt positiv und gebt euch nicht auf! Leben mit Endometriose bedeutet, dass man seinen eigenen Therapieweg finden und gehen muss, damit es einem bestmöglich geht. Der Weg ist steinig, aber sollte die Motivation von jeder Betroffenen sein. Jeder kann es schaffen, davon bin ich überzeugt!

Was möchtest du noch gerne einfach mal loswerden?

Ich stoße auf Instagram neben super positiv gestimmten Mädels auch auf sehr negativ gepolte Mädels. Auch in einigen Whatsapp-Gruppen war ich schon Mitglied und habe es nie länger als zwei Wochen dort ausgehalten. Dort wird man täglich mit geballtem Pessimismus konfrontiert, was ich für meinen Teil nicht verstehen kann. In den Gruppen wollte ich schon immer mit meinen Erfahrungen helfen, aber bei den Frauen merkte man ganz einfach eine Sache: sie wollen leiden und sich nicht helfen lassen. Dort fand ich keinerlei Anzeichen von Motivation, dass sie persönlich etwas an ihrer misslichen Lage ändern wollten. 

Ich jammere auch hin und wieder, klar, denn Endo kann ganz schön schlauchen! Aber tägliches Jammern von jeder Person ist für mich nicht tragbar. Will man ein Leben voller Gejammere führen?! Ich möchte kein Opfer meiner Krankheit werden. Zum Opfer macht man sich nur selber! Ich möchte Kontrolle über die Krankheit haben und genau wissen, dass je nachdem was ich meinen Körper gebe oder nehme, das Konsequenzen haben wird für die Auswirkung der Krankheit, für mein Wohlbefinden.

Ich weiß zum Beispiel ganz genau, dass ich, wenn ich auf die Pille verzichten würde, täglich von Schmerzen geplagt sein würde. Und das geht nicht! Aber dies sind alles Erfahrungswerte, die jede Einzelne von uns sammeln muss. Die Lebensqualität sollte nicht unter dieser Krankheit täglich leiden. Und wenn du täglich leidest, ist das ein gewaltiges Zeichen dafür, dass du etwas ändern solltest! Gehe weiter auf deinem eigenen Therapieweg. Eine Änderung hat immer mit einer gewisser Arbeit zu tun, aber das sollte es jedem für sein persönliches Wohl wert sein! 

Ich habe immer ein offenes Ohr und möchte meinen Endosisters helfen! Aber ich muss Motivation sehen und Ehrgeiz. Mit täglichem Gejammere komme ich nicht zurecht, denn das ist für mich das Zeichen, dass in dem jammernden Körper gerade die Krankheit siegt. Seid motivierte Kämpferinnen und bleibt stark!

Ich habe mir fest vorgenommen, in den nächsten Jahren etwas für uns zu erreichen! Endometriose findet immer mehr Aufmerksamkeit und Gehör und so stelle ich mir das vor – so muss es weitergehen! Bleibt stark und haltet euch vor Augen, dass Endo zwar ein Teil eures Lebens ist, aber das Endo nicht euer Leben ist. Ich drück euch! 

Danke, Corinna!

Was soll ich sagen, natürlich danke ich auch dir, liebe Corinna! Erstmal natürlich dafür, dass auch du deine Endometriose Geschichte mit uns geteilt hast, und einen so großen Teil zur Aufklärung über diese Krankheit beiträgst! Aber auch ganz speziell dafür, dass du mir gezeigt hast, dass es immer irgendwen da draußen gibt, der eine ganz ähnliche Endometriose Geschichte erlebt hat, wie man selber – und natürlich dafür, dass wir uns herzlich darüber amüsiert und gefreut haben, als wir das festgestellt haben!

Danke auch dafür, dass du mir aus der Seele sprichst, wenn du über die Negativität schreibst, die zum Teil wirklich überhand nimmt! Ich selber habe das auch schon erlebt, kann mich davon aber zum Glück gut distanzieren. Aber ich kenne auch so viele Endosisters, denen solch starker Pessimismus wirklich an die Nieren geht – und da habe ich auch schon furchtbare Geschichten von einigen erzählt bekommen. Ich würde mir wünschen, dass wir uns alle mehr auf das Positive fokussieren würden. Die Endometriose ist doch auch kein Wettbewerb, wem es schlechter geht, und sollte es niemals sein. Viel mehr sollten wir uns darauf konzentrieren, uns gegenseitig zu unterstützen und füreinander da zu sein!

Am Ende muss natürlich jede von uns ihren eigenen individuellen Weg finden. Das ist auch nicht immer leicht – das wissen wir Betroffenen alle und das sagt natürlich auch keiner. Trotzdem glaube auch ich, dass eine positive Einstellung zur Endometriose und allem, was sie eben so mit sich bringt, nur helfen kann, besser mit allem klarzukommen!

Wenn ihr eure Endometriose Geschichte auch gerne erzählen möchtet, dann lasst es mich einfach wissen – egal, ob über das Kontaktformular oder Instagram!

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